Reaktive Instandhaltung

Die reaktive Instandhaltung, auch als ausfallorientierte Instandhaltung bezeichnet, gehört zu den ältesten Instandhaltungsstrategien. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass Wartungs– und Reparaturmaßnahmen erst dann durchgeführt werden, wenn Störungen auftreten und eine Maschine oder ein Anlagenteil tatsächlich ausgefallen ist oder beschädigt wurde. Anders als bei präventiven Instandhaltungsmaßnahmen wird nicht proaktiv eingegriffen, um die Lebensdauer der Anlagen zu verlängern oder die Wahrscheinlichkeit von Ausfällen zu reduzieren.

Diese Strategie war früher besonders sinnvoll für Anlagen, die entweder selten ausfielen oder deren Reparatur- bzw. Ersatzkosten niedrig waren. Auch bei Systemen mit redundanter Auslegung, deren Ausfallverhalten nicht gut vorhersagbar war, setzte man oft auf reaktive Instandhaltung – solange keine Sicherheitsrisiken für die Mitarbeiter bestanden. In bestimmten Situationen bleibt sie auch heute nützlich, etwa bei weniger kritischen Maschinen oder Anlagen mit geringen Ausfallkosten, bei schwer prognostizierbarem Verschleißverhalten oder bei selten genutzten Komponenten. Zudem ermöglicht sie den vollständigen Abbau des Abnutzungsvorrats und erfordert nur einen geringen Planungsaufwand.

Trotz dieser Vorteile, die auch einen reduzierten Ersatzteilverbrauch umfassen, hat die reaktive Instandhaltung gravierende Nachteile: Sie führt häufig zu ungeplanten Produktionsausfällen, hohen Kosten und einer verkürzten Lebensdauer der Maschinen. Da Wartungen unter Zeitdruck stattfinden, kann die Qualität der Instandhaltungsmaßnahmen leiden, und die Instandhaltung ist schwer an externe Dienstleister auszulagern. In modernen Produktionsumgebungen ist eine rein reaktive Strategie daher meist nicht mehr tragbar. Dennoch zeigt eine Studie, dass 70 % der Unternehmen den genauen Zustand ihrer Maschinen nicht kennen und auf reaktive Maßnahmen angewiesen sind, um kurzfristig auf Ausfälle zu reagieren.